Statistiken zur Torwartdebatte im DFB: Neuers Positionswechsel und die Brisanz vor der WM
Betrachtet man die Grundlagen der Torwartkunst, insbesondere die Schadensbegrenzung, sticht der zurückgekehrte Veteran Manuel Neuer in traditionellen Kriterien hervor. Mit einer sauberen Westen Quote von 32,43 Prozent (1) hält er im Vergleich zum Stuttgarter Leihspieler (29,17 Prozent) und dem Torhüter aus Hoffenheim (22,22 Prozent) am häufigsten sein Tor sauber.
Dies zeigt sich auch bei den Gegentoren pro Partie (2): Während Neuer durchschnittlich nur 1,02 Mal pro Spiel ein Tor hinnehmen muss, liegen Nübel (1,25) und Baumann (1,34) deutlich dahinter. Allerdings profitiert Neuer auch von einer starken Defensive der Bayern (3), die ihm lediglich 3,08 Schüsse pro Spiel erlaubt. Baumann (4,00) und Nübel (3,99) stehen dagegen unter deutlich mehr Druck.
Bei der reinen Effizienz zwischen den Pfosten (4) führt jedoch der jüngste der drei: Alexander Nübel erreicht eine bemerkenswerte Paradequote von 68,69 Prozent und übertrifft damit Neuer (66,94 Prozent) sowie Baumann (66,46 Prozent). Aufgrund der höheren Schussfrequenz auf sein Tor kommt Nübel mit 2,74 Paraden pro Spiel (5) auch am häufigsten zum Einsatz, gefolgt von Baumann (2,66) und Neuer (2,06). Dies spiegelt sich auch im Verhältnis von Paraden zu Gegentoren (8) wider: Nübel hält statistisch 2,19 Schüsse, bevor er überwunden wird (Neuer: 2,03 Baumann: 1,98).
Interessant wird es bei der Qualität der Gegnerchancen, gemessen an den Expected Goals pro Schuss (6). Der 40 jährige Neuer sieht sich mit einem Wert von 0,87 seltener schwer abwehrbaren Großchancen gegenüber als seine Kontrahenten aus Stuttgart (1,24) und Hoffenheim (1,28). Bei den verhinderten Toren (ein Wert nahe null zeigt Durchschnittsleistung) bewegen sich alle drei im leicht negativen Bereich (7), was auf effiziente Angreifer hindeutet: Nübel liegt bei minus 0,01, Baumann bei minus 0,06 und Neuer bei minus 0,14.
Außerhalb des Strafraums kehrt sich das Bild um. Als dominantester Spieler des Trios im modernen, raumorientierten Torwartspiel erweist sich Oliver Baumann. Der Hoffenheimer hält pro Partie beeindruckende 1,56 hohe Bälle (9), während Nübel (1,23) und besonders Neuer mit ungewohnt niedrigen 0,51 deutlich zurückliegen. Auch im Spielaufbau (10), eigentlich Neuers Paradedisziplin, setzt Baumann mit 3,30 erfolgreichen Pässen ins letzte Drittel pro Spiel die Maßstäbe und übertrifft damit Nübel (2,22) und Neuer (1,42) deutlich.
Die Gefahren von Neuers Nominierung
Trotz der ausgewogenen Statistiken ist die menschliche und hierarchische Situation im DFB Team fragil. Julian Nagelsmann hat klar Position bezogen: Manuel Neuer besitzt die einzigartige "Aura" und reist als klare Nummer 1 zur WM.
Diese Entscheidung ist jedoch nicht ohne Risiko: Der 40 Jährige kämpft aktuell mit einer Wadenverletzung, die ihn bereits das DFB Pokalfinale kostete. Zwar deutete Neuer bei den Feierlichkeiten auf Besserung hin ("Bin auf gutem Weg"), doch Kaltstarts bei Turnieren (wie 2018) bleiben riskant. Sollte die Verletzung im WM Stress wieder auftreten, könnte ein ungeplanter Torwartwechsel nötig werden.
Für Baumann stellt die Situation eine psychologische Belastungsprobe dar. Nach der Verletzung von Ter Stegen rechnete er fest mit der Nummer 1 Position als verdienten Lohn für langjährige Bundesliga Leisungen. Als Nagelsmann ihn kurz vor der WM für Neuer auswechselte, bezeichnete er dies selbst als "harten Schlag".
Obwohl Baumann Professionalität zeigt, hinterlässt solche Enttäuschung Narben. Sollte er durch eine erneute Neuer Verletzung unvorbereitet einspringen müssen, fehlt ihm das volle Vertrauen als erste Wahl.
Neuers Kondition als Schlüsselfaktor
Torwart Diskussionen im deutschen Fußball waren selten konfliktfrei (siehe Kahn gegen Lehmann 2006). Wenn ein verletzter Veteran fitten Bundesliga Keepern vorgezogen wird, kann dies interne Debatten über Leistungsgerechtigkeit auslösen. Das Trainerteam muss als Vermittler agieren, um Unmut unter den Ersatzspielern zu vermeiden.
Statistisch gesehen bringt jeder der drei Torhüter weltklasse Fähigkeiten mit: Neuers Erfahrung, Nübels Stärken auf der Linie und Baumanns Mut im Raum und Aufbauspiel. Der Turniererfolg wird jedoch weniger von den Zahlen abhängen, sondern davon, ob Neuers Körper hält und ob das Team die emotional angespannte Bank Situation meistert.