Skandalös: BVB-Profis verurteilen Buhrufe für Mitspieler Schlotterbeck
Carsten Cramer machte die Verteidigung von Schlotterbeck sofort zu einer Priorität. "Es ist unangebracht, dass ein Borussia Dortmund Spieler, und das betrifft nun einmal Nico, mit Buhrufen überhäuft wird", tadelte der Geschäftsführer nach der 0:1 Niederlage (0:1) gegen Bayer Leverkusen. Die Freiheit der Meinungsäußerung sei "akzeptabel" jedoch: "Wenn Spieler das Trikot von Borussia Dortmund tragen, verdienen sie ab dem Moment auf dem Rasen Unterstützung! Wir bilden eine Einheit."
Zum Spielbericht: Borussia Dortmund gegen Bayer Leverkusen
So lenkte Cramer die Aufmerksamkeit der Medien klug auf die Reaktionen und ab von den Gründen für die Buhrufe. Tatsächlich hat Schlotterbeck einen Fünfjahresvertrag unterzeichnet, der keinesfalls als romantisches Bekenntnis zur Treue im Fußball gesehen werden darf. Bereits in Kürze, im Sommer der Weltmeisterschaft, könnte er dank einer Ausstiegsklausel den Verein verlassen, egal wie viele Jahre im Vertrag stehen.
Dies könnte für alle Beteiligten vorteilhaft sein, für Schlotterbeck als Chance zu einem Wunschklub im Sport, für den BVB als wirtschaftlicher Schutz. Es wirkt jedoch so, als ob er sagt: "Ich schätze euch alle, doch vielleicht werde ich bald Weltmeister."
Am Samstag erlebte der 26 Jährige keineswegs einen Orkan aus Buhrufen, der ihn aus dem Stadion fegt. Dennoch existiert eine Fan Gruppe, die weiterhin an "Echte Liebe" festhält und ihm das langwierige Zögern sowie das Spiel mit den Verhandlungen verübelt. Das war beim Vorlesen der Startelf klar hörbar und später erneut, sobald Schlotterbeck den Ball kontrollierte.
Kovac fordert Einigkeit im BVB
Am klarsten äußerte sich sein Partner in der Abwehr. "Dies ist eine Schande, der ich absolut nicht zustimme", erklärte Waldemar Anton. "Wir benötigen positive Atmosphäre, keine negative. Das schadet dem Team, und das sollte jeder auf den Rängen begreifen. Wir widersprechen dem energisch."
Niko Kovac versuchte zunächst mit Witz zu reagieren. Von Ausstiegsklauseln habe er keine Kenntnis, er wisse nicht einmal die Details seines eigenen Vertrags, meinte der Trainer im Fernsehgespräch und das überlasse er seinem Agenten. Dann, ernsthafter: "Solche Dinge dulden wir nicht, wir sind alle Borussen."
Wie stark die Einheit wirklich ist, zeigten die 81.365 Zuschauer beider Seiten in der zweiten Halbzeit. Sie unterbrachen ihre Gesänge, nachdem jemand auf der Südtribüne zusammengebrochen war und laut Angaben des BVB reanimiert werden musste. Dort habe das Publikum "riesenstark" gehandelt, pries Cramer, allerdings: "Jede Medaille hat zwei Seiten." Am Sonntagvormittag lag noch kein öffentlicher Bericht über den Zustand der Person vor.
Die untypische Ruhe im Stadion beeinflusste ein ohnehin mattes Match, in dem der BVB etwas Ungewohntes erfuhr: Es agierte wieder miserabel jedoch verlor es diesmal tatsächlich. Robert Andrich traf in der 42. Minute für Bayer, das somit weiter auf die Qualifikation zur Champions League hoffen kann. Der BVB fühlt sich darin bereits sicher.