Ryan als tragischer Held: Australiens Psychospiel geht nach hinten los

Ryan als tragischer Held: Australiens Psychospiel geht nach hinten los

Die Auswechslung des zuvor starken Patrick Beach (22) für Stellvertreter Ryan (34) in der 119. Minute werde "als einer der umstrittensten taktischen Fehlgriffe in die australische Fußballgeschichte eingehen", schrieb The Sydney Morning Herald nach dem 2:4 (1:1, 1:1) im Elfmeterschießen von Australien im Sechzehntelfinale von Dallas gegen Ägypten.

Zum Match-Center: Australien vs. Ägypten

Nationaltrainer Tony Popovic verteidigte dagegen seine Entscheidung. "Wir hatten einfach das Gefühl, dass Mats Erfahrung den Unterschied ausmachen würde. Am Ende hat es nicht funktioniert, aber nicht wegen einer Fehlentscheidung von Mat oder mangelndem Können. Sie haben einfach sehr gute Elfmeter geschossen", sagte der 52-Jährige.

Ryan hatte in seiner Karriere zuvor (ohne Elfmeterschießen) zwölf von 69 Elfmetern gehalten, sein zwölf Jahre jüngerer Kollege Beach nur einen von acht. "Popovic setzte auf nackte Erfahrung in einem historischen Moment – und verlor alles", schrieb Fox Sports Australia.

Die Spieler selbst wussten nichts von der geplanten Rochade, wie Beach zerknirscht durchblicken ließ. "Ich habe es zur gleichen Zeit erfahren wie ihr", sagte er nach dem Spiel australischen Journalisten: "Offensichtlich gab es einen Plan, der ausgearbeitet worden war, von dem wir jedoch nichts wissen sollten."

Ryan kennt die Torhüter-Rochade

Ein Novum war der Wechsel nicht. 2014 hatte der damalige Bondscoach Louis van Gaal im Viertelfinale gegen Costa Rica in der 120. Minute Tim Krul für Jasper Cillessen eingewechselt - der Ersatzkeeper führte die Niederlande mit zwei gehaltenen Elfmetern ins Halbfinale.

Kurios: Auch Ryan hatte die Situation selbst schon erlebt, nur anders herum. In der WM-Qualifikation 2022 gegen Peru wurde der damalige Kapitän kurz vor dem Elfmeterschießen für Andrew Redmayne vom Platz genommen, der "Joker" wurde mit zwei gehaltenen Elfmetern zum Helden.

"Es tut weh, wenn du so nah dran bist. Das ist schwer zu ertragen", sagte Popovic. Dennoch könne er dank der gezeigten Leistungen bei dieser WM "nicht stolzer sein auf jeden einzelnen Spieler. Wir müssen das jetzt mitnehmen und daran wachsen. Ich bin mir sicher, dass diese Spieler viele Jungs und Mädchen in der Heimat inspiriert haben."