Pulisic, "Poch" und der Zweifel-Kampf – gedrückte WM-Träume der USA
Die Einschätzungen zur Klasse von Christian Pulisic klaffen stark auseinander. Ein Expertengremium des TV-Senders FoxSports, der die WM für den Hauptgastgeber USA überträgt, ist überzeugt, dass der 27-jährige Stürmer auf Platz sechs der weltbesten Fußballer rangiert. Das Portal The Athletic, das zur renommierten New York Times gehört, setzte den Amerikaner in einer Rangliste der Top-Spieler für die WM 2026 auf Position 39.
Maurizio Pochettino kann über solche Bewertungen vermutlich nur den Kopf schütteln. Der Nationalcoach der USA erklärte im April ohne jede Diplomatie, dass kein Spieler, der für das "USMNT" in Frage käme, zu den besten 100 Spielern der Welt zähle, Pulisic inbegriffen. Zum Selbstbild der Amerikaner, stets und überall die Besten zu sein, passt das nicht – so sehr die subjektive Einschätzung von Pochettino, seit September 2024 im Amt, auch zutreffen mag.
Match-Center: USA vs. Deutschland
Dass Pulisic der stärkste Spieler ist, den die USA zur Verfügung haben, ist natürlich unbestritten. Ebenso, dass das Wohl und Wehe von Pochettinos Team bei der WM zu einem großen Teil vom ehemaligen Dortmunder abhängen wird, der jetzt bei der AC Mailand spielt. Insofern war es eine gute, fast erlösende Nachricht, dass Pulisic am Sonntag im vorletzten Test gegen Senegal (3:2) traf – zum ersten Mal für die Nationalmannschaft seit dem 18. November 2024.
"Wir verlassen uns in vielen Dingen auf ihn", sagte der frühere Schalker Weston McKennie, heute bei Juventus Turin angestellt, nach dem Sieg gegen Senegal. Zugleich versicherte er: "Wenn wir ihn brauchen, wird er da sein." Was Pulisic bereits am Samstag im Duell mit Deutschland (20.30 Uhr MESZ/RTL) erneut beweisen kann. Es ist der ultimative Härtetest auch für die USA, die ihr WM-Auftaktspiel am 12. Juni in Los Angeles gegen die Mannschaft aus Paraguay bestreiten.
"Poch" fliegen die Behauptungen um die Ohren
Es ist zugleich die letzte Chance für den Trainer und sein Team, Zweifel an seinen und ihren Fähigkeiten zu zerstreuen. Eine Startelf scheint der Argentinier, der mit einer Rückkehr nach Europa und einer Stelle als Vereinstrainer liebäugelt, bisher nicht gefunden zu haben. Gegen Senegal begann er mit einer Formation im 3-4-3-System, die dem Ideal wohl recht nahe kommt. Dazu gehörte etwas überraschend auch Gio Reyna von Borussia Mönchengladbach.
Bis zu diesem Spiel schien "Poch" nicht einmal ansatzweise halten zu können, was er bei seinem Amtsantritt und in den Monaten danach versprochen hatte. Damals fielen optimistische Sätze, wie die Amerikaner sie gerne hören: Die USA sollten "groß denken" und das Ziel haben, die WM "zu gewinnen", sagte der mittlerweile 54-Jährige. Und ja, "alles ist möglich. Ich verkaufe hier nichts Unmögliches." Behauptungen, die dem Trainer allzu oft um die Ohren flogen.
Aber, sagt Pochettino, das Problem seien im Vorfeld der WM, als es im März ernüchternde Niederlagen gegen Belgien (2:5) und Portugal (1:2) gab, weniger die Aufstellung und die Gegner gewesen. "Es spielt keine Rolle, ob wir gegen Deutschland oder ein anderes Team spielen. Warum? Weil wir in den vorherigen Spielen selbst das Problem waren." Es habe dem Team an Einsatz und Einstellung gefehlt – es sei keine "richtige Einheit" gewesen bislang.
Das Spiel gegen Senegal hat die schlimmsten Zweifel erst einmal vertrieben. "Wir sind", versicherte Pochettino danach, "auf einem guten Weg".