Politische Machtspiele bei der WM: Der Fall von Schiedsrichter Artan und die Beschränkungen der Teilnahme

Politische Machtspiele bei der WM: Der Fall von Schiedsrichter Artan und die Beschränkungen der Teilnahme

Der somalische Schiedsrichter Artan war die nationale Hoffnung, denn noch nie hatte ein Unparteiischer aus Somalia bei einer Weltmeisterschaft gepfiffen. Doch sein Fall offenbarte, wer bei diesem Großereignis die endgültige Entscheidungsgewalt besitzt: nicht die FIFA unter Gianni Infantino, die Artan zuvor unter 52 Schiedsrichtern ausgewählt hatte, sondern sein enger Verbündeter Donald Trump.

Somalia befindet sich auf einer Liste von Ländern, für die Präsident Trump ein Einreiseverbot verhängt hat. Auch der Iran erfuhr die Einteilung in "erwünscht" und "unerwünscht": Ein Großteil der nach Mexiko ausgewichenen Delegation darf nicht zu den drei Spielen in die USA einreisen, und selbst die Spieler haben nur eine befristete Aufenthaltserlaubnis.

Sanktionen treffen auch den Iran

Viele Anhänger aus den betroffenen Staaten wie Haiti unternahmen gar nicht erst den Versuch, in die USA einzureisen. Und jene, die bereits im Land sind, sehen sich zusätzlichen Hindernissen gegenüber. Am Dienstag erklärte der iranische Fußballverband, dass die Vereinigten Staaten das für seine Fans reservierte Ticketkontingent gestrichen hätten.

Gemäß den FIFA-Bestimmungen haben die teilnehmenden Verbände bei jedem Spiel Anspruch auf acht Prozent der Eintrittskarten. Für den Iran scheint dies jedoch nicht zu gelten. "Aufgrund der aktuellen Lage kann der Verband nicht einmal eine einzige Karte zur Verfügung stellen", hieß es. Weder der Weltfußballverband noch die US-Organisatoren kommentierten die Anschuldigungen zunächst.

Schon im Fall Artan zeigte sich der Weltverband ohnmächtig. "Wie schon bei früheren FIFA-Turnieren liegt die Entscheidung über Einreisegenehmigungen letztlich bei der Regierung des Gastgeberlandes", erklärte ein FIFA-Sprecher. Der Verband sei darüber informiert worden, "dass der Status von Herrn Artan derzeit unverändert bleibt". Daraufhin wurde der 34-Jährige von der Liste der WM-Schiedsrichter gestrichen. Eine Möglichkeit, Spiele in Kanada oder Mexiko zu leiten, gab es offenbar nicht.

Nicht dabei: Afrikas Schiedsrichter des Jahres 2025

In seiner Heimat rief der Fall Unverständnis hervor. Das Vorgehen untergrabe "das Engagement des Fußballs für Fairness, Leistung und den Geist des Fairplay", sagte Ciise Aden Abshir, leitender Berater des somalischen Ministeriums für Jugend und Sport und früherer Kapitän der Nationalmannschaft, gegenüber AFP. Das Nationale Olympische Komitee Somalias forderte die "Wahrung der Prinzipien von Fairplay und internationaler Zusammenarbeit". "Sport darf keine Grenzen haben", hieß es.

Und was sagt Artan, der seit 2018 FIFA-Schiedsrichter ist und 2025 zu Afrikas Schiedsrichter des Jahres gewählt wurde? Der Referee zeigte nach seiner WM-Absage keine Verbitterung. Er wolle sich jetzt voll auf die Zukunft konzentrieren, ließ er AFP wissen. "Trotz der Umstände bin ich zuversichtlich und konzentriere mich auf die nächsten Herausforderungen meiner Schiedsrichterkarriere", erklärte er diplomatisch. Ganz so, wie es sich für einen Unparteiischen gehört.