Nagelsmann deutet unerwartete Entscheidungen für den WM-Kader an
Joshua Kimmich bleibt in der Position des Rechtsverteidigers, Oliver Baumann ist die erste Wahl im Tor und Leon Goretzka könnte einen festen Platz erhalten: Julian Nagelsmann hat vor dem Start ins WM-Jahr klare Festlegungen zu Personalfragen getroffen, deutet aber auch auf Überraschungen im Kader hin. "Es werden Entscheidungen fallen, das kann ich vorab verraten, die wahrscheinlich nicht überall auf großes Verständnis stoßen. Nicht beim Betroffenen, aber auch nicht beim breiten Publikum, weil eventuell ein Spieler bei uns nicht für die Startelf vorgesehen ist, der bei seinem Klub jedoch Stammkraft und Schlüsselspieler ist", erklärte Nagelsmann in einem Interview mit dem kicker.
Der 38-Jährige muss somit auf einige bekannte Gesichter bei der WM in den USA, Mexiko und Kanada vom 11. Juni bis 19. Juli verzichten. "Man muss genau beobachten, wie ein Spieler reagiert, wenn er bei uns nur auf Platz 15 oder 16 steht, obwohl er in seinem Verein zu den Top-Sechs gehört. Kann ein Stammspieler aus dem Klub bei uns eine solche Rolle übernehmen oder nicht", sagte Nagelsmann und ergänzte: "Manche Spieler können diese Position bei uns nicht optimal ausfüllen. Und das hat, wie ich schon vor der EM hervorgehoben habe, nichts mit gutem oder schlechtem Charakter zu tun, sondern damit, wofür jemand prädestiniert ist."
Bei der Heim-EM 2024 hatte Nagelsmann unter anderem auf Leon Goretzka verzichtet. Der Spieler aus München hat nun aber in der DFB-Auswahl auf der zentralen Mittelfeldposition wieder an Bedeutung gewonnen. "Aktuell hat Leon Goretzka, trotz begrenzter Einsatzzeit bei Bayern, gute Aussichten, mitzuspielen und eine vergleichbare Rolle wie in der WM-Qualifikation einzunehmen. Denn er ist jemand, der ins Strafrauminnere vordringt, stark im Kopfballduell ist und viel Durchschlagskraft mitbringt", betonte Nagelsmann.
Aus Sicht des Nationaltrainers ergänzen sich Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha nicht ideal. "Für den offensiveren Bereich benötigen wir ein anderes Profil, aber einer der beiden hat definitiv gute Chancen auf Einsatz", erklärte Nagelsmann, der "in Deutschland bereits einen wirklich soliden, duelstarken Sechser, auch in der Luft" vermisst.
Kapitän Kimmich wird auf der rechten Abwehrseite agieren. "Ja, das bleibt so", bestätigte Nagelsmann. Im Kasten vertraut er auf den Torhüter vom Hoffenheim, Oliver Baumann, obwohl er für den verletzten Marc-André ter Stegen eine Option lass. "Selbstverständlich steht Oli im März im Tor und wird es wieder stark machen. Bei der Nations-League-Auslosung habe ich bereits erwähnt, dass es einen Aspekt mit Marc gibt und einen anderen, dass Oli hervorragende Leistungen gezeigt hat", sagte Nagelsmann.
In welcher Rolle er den bisherigen Verteidigungsleiter Antonio Rüdiger einplant, behielt Nagelsmann offen. "Das ist nicht endgültig festgelegt und hängt stark von seiner Form ab. Ich pflege eine tolle Beziehung zu Antonio, wir besprechen offen alle Möglichkeiten, in welcher Funktion er zurückkehren könnte oder ob er es kann, falls er nicht fit ist. Er hatte erhebliche Knieprobleme", erläuterte der Bundestrainer.
Generell plant er um die Länderspiele in Basel gegen die Schweiz am 27. März und drei Tage später in Stuttgart gegen Ghana "Gespräche zu den Rollen" mit seinen Akteuren. Sein Kader für die Testspiele verkündet Nagelsmann am 19. März. "Dieser Kader wird dem ähneln, mit dem wir zur WM fahren wollen. Klar kann sich danach noch etwas verschieben, aber im Kern ist die Idee, dass der März-Kader und das WM-Aufgebot eng verwandt sind", schloss Nagelsmann.