Nach Verletzung: Rüdiger trägt Schlotterbecks Sohn – und mehr Verantwortung
"Es hat sich nicht viel verändert. Ich muss für alle Szenarien bereit sein - und ich bin bereit", sagte Rüdiger gewohnt selbstbewusst nach seinem 45-minütigen Auftritt beim Sieg gegen die Elfenbeinküste (2:1). Es sei aber ohnehin "viel wichtiger", betonte der 33-Jährige, "dass Nico gesund wird. Er ist ein wichtiger Spieler, wir brauchen ihn."
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Doch wann und ob Schlotterbeck bei dieser WM nach seiner Innenbandverletzung im Sprunggelenk wieder einsatzfähig sein wird, war auch am Montag zunächst noch unklar. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) stellte eine endgültige Mitteilung erst für den Tagesverlauf in Aussicht. "Es sah nicht so gut aus - leider", hatte Julian Nagelsmann noch vor der MRT-Untersuchung in Winston-Salem zerknirscht erklärt.
Rüdiger muss "linken Fuß aus Gold" ersetzen
Ob für Schlotterbeck die WM beendet ist oder nicht - jetzt schlägt erst einmal die Stunde Rüdigers. Dabei hatte sich der Abwehrspieler des spanischen Rekordmeisters Real Madrid nach seiner Degradierung durch den Bundestrainer mit seiner neuen Rolle bei seiner dritten WM-Teilnahme schon abgefunden. "Jeder hat seine Zeit, jetzt ist deren Zeit. Sei den Jungs gegönnt. Ich kann nur unterstützen", erklärte Rüdiger trotz seiner 84 Länderspiele.
Seine "Erben" überschüttete Rüdiger mit Lob. Auch wenn er einräumte, dass es nicht einfach sei, "auf der Bank zu sein". Jonathan Tah, sagt Rüdiger über den neuen Abwehrboss, "stellt einfach was dar", allein von der Physis her. Und Schlotterbeck habe "einen linken Fuß aus Gold".
Genau darin sieht Jürgen Klopp ein Problem für die DFB-Auswahl. "Wir sind es gewöhnt, dass Schlotterbeck ins Mittelfeld rein dribbelt und dann auf links oder den Diagonalball spielt. Das ist ein wichtiges Element des Spiels. Diesen Diagonalball können wir aber ohne ihn nicht mehr spielen", sagte der MagentaTV-Experte.
Rüdiger habe es nach seinem Kaltstart gegen die Elfenbeinküste "wirklich gut gemacht". Er sei "erfahren genug" und habe "seit Jahren auf allerhöchstem Niveau gespielt". Doch einen "linken Fuß" könne man ihm halt nicht ankleben. "Wenn wir die Seite wechseln wollen, müssen wir das jetzt mit Pässen machen. Wir brauchen also jetzt mindestens einen Pass mehr", folgerte Klopp.
Rüdiger: "Manchmal ist schlechte Presse gute Presse"
Große Sorgen macht sich der einstige Meistermacher des BVB und des FC Liverpool deswegen nicht. Auch Nagelsmann vertraut Rüdiger. "Es ist nicht leicht, in so ein Spiel reinzukommen. Je länger es dauerte, desto offener wurde das Feld. Wenn du nicht den Spielrhythmus hast, musst du es erstmal so gut machen", lobte der Bundestrainer seinen Schlotterbeck-Ersatz.
Im Netz erfährt Rüdiger dagegen deutlich weniger Lob, oft wird er sogar kübelweise mit Hass überschüttet. "Ich bin kein Kind von Traurigkeit, ich respektiere Meinungen, aber seriöse Meinungen. Seriöse Kritik ist bei mir immer willkommen", sagte er. Ansonsten sei es ja so: "Mein Name bekommt viele Klicks. Manchmal ist schlechte Presse auch gute Presse."
Aber der Hass? "In der Social-Media-Welt bin ich der Buhmann, das ist für mich auch okay." In den Stadien würden seine harten Tacklings auch gefeiert. Also: "Lassen wir Social Media Social Media bleiben - und wir bleiben in der realen Welt." In dieser trägt Rüdiger vor dem Gruppenfinale gegen Ecuador am Donnerstag nicht nur den Sohn seines Mitspielers Schlotterbeck.