Nach null WM-Minuten bislang: Chance für Woltemade? "Arbeite hart dafür"
Mit vier Toren in den letzten drei Spielen war der 24-Jährige der Held in der Qualifikation. In den jüngsten vier Länderspielen kam er nur noch beim vorletzten Test gegen Finnland (4:0) für 17 Minuten zum Einsatz, bei der Endrunde noch gar nicht. Dennoch glaubt er "fest" an seinen besonderen WM-Moment. "Das", betonte Woltemade, "sagt mir auch der Bundestrainer. Das Turnier ist hoffentlich noch lang für uns. Ich arbeite hart für meine Chance."
Womöglich bekommt er sie schon am Donnerstag (22.00 Uhr MESZ/ARD, MagentaTV und Flashscore-Audioreportage) im letzten Gruppenspiel gegen Ecuador. Julian Nagelsmann hat angekündigt, er werde im sportlich nicht mehr ganz so bedeutenden Duell im Finalstadion auch Stars aus der zweiten Reihe Einsatzzeit geben. Auch Woltemade?
Völler glaubt an Woltemade
Der Angreifer blickt auf ein "verrücktes" Jahr zurück, "es hat mein Leben verändert". Während seines kometenhaften Aufstiegs vom Nobody zum 75-Millionen-Euro-Mann und WM-Hoffnungsträger rieb er sich immer wieder verwundert die Augen. Mit seiner lockeren Art bediente er den Hype, nicht nur wegen seiner Locken hofften die Fans, ihnen sei da ein zweiter Rudi Völler geschenkt worden. Sogar in der Micky Maus wurde er gefeiert, bekam als "Woltemessi" eine eigene Comic-Story.
Aber es gibt eben nur einen Rudi Völler, von Lionel Messi ganz zu schweigen. "Er kommt aus keiner guten Phase", sagte Völler über Woltemade, doch der Sportdirektor glaubt an seinen "Erben". Dieser sei "ein überragender Fußballer, der uns helfen wird".
Dieser Glaube nährt sich aus der Tatsache, dass der Mann mit der "11" auf dem Rücken, die bei Weltmeisterschaften Weltklassestürmer wie Karl-Heinz Rummenigge oder Miroslav Klose trugen, beim DFB eine andere Rolle spielt als im Verein. In Newcastle bot ihn Trainer Eddie Howe zuletzt meist im Mittelfeld auf, Woltemade war dort "70 Meter weg vom Tor", erklärte Nagelsmann. Im DFB-Team seien die Distanzen wesentlich "kürzer", das werde "ihm gut tun".
Wohlfühloase DFB-Team
Wegen der unterschiedlichen Spielweise habe ihn "die Wucht der Kritik" nach seiner Debütsaison in England mit elf Treffern in 51 Spielen "überrascht", bekannte Woltemade. Und ja: Er fand sie "nicht ganz fair". Dennoch: Er habe "viel gelernt" in diesem Jahr, sei in Zweikämpfen robuster geworden und sicher: "Ich werde mich dort durchsetzen."
Wie im DFB-Team, das Woltemade als Wohlfühloase erlebt. "Die Mannschaft ist zu meiner Heimat geworden", sagte er: "Da glauben die Leute an mich, da fühle ich mich verstanden, alle wissen, was sie an mir haben. Ich bin ein geschätztes Familienmitglied." Auch wenn er hier und da mal geneckt wird.