Löw: Taktik priorisiert vor Kimmichs Rolle
Der frühere Nationaltrainer Joachim Löw betont, dass die rasche Entscheidung für ein System zur Weltmeisterschaft entscheidender ist als die umstrittene Platzierung des Kapitäns Joshua Kimmich in der deutschen Auswahl. "Wichtiger ist, welches taktische Konzept umgesetzt wird", erklärte der 65-Jährige in der Sendung Sport1 Doppelpass.
"Das erzeugt schon feine Abweichungen - wie positioniert man sich, wie baut man von der Abwehr auf, wie verteilt man die Bereiche in Verteidigung und Angriff, das zählt für das Team", unterstrich Löw und fügte hinzu: "Auf welchem Posten jemand steht, ist nicht stets der entscheidende Faktor. Doch wer aus der zweiten Linie kommt, sollte seine Aufgabe präzise verstehen".
Falls es für Kimmich derzeit einen passenden Vertreter im zentralen Mittelfeld gäbe, "würde ich ihn eventuell auch rechts einsetzen", meinte Löw. Genau das hat sein Nachfolger Julian Nagelsmann kürzlich in der Qualifikation zur WM getan, obwohl er sich erst im September vorgenommen hatte, den Spieler aus München wieder auf die defensive Sechs zu verlagern.
Kimmich sei "der einzige Akteur, bei dem ich je nach Lage der Dinge wählen würde", erklärte Löw, "da er überall auf Top-Niveau performen kann. Und es ihm dabei keine Schwierigkeiten bereitet. Ähnlich wie bei Philipp Lahm", so der Trainer des Weltmeisterschaftssiegers aus dem Jahr 2014.
Außer dem System sei eine stabile Kernreihe "maßgeblich", sagte Löw, aber "ich bin überzeugt, dass sie bereits da ist". Er listete Akteure wie Jonathan Tah, Antonio Rüdiger, Nico Schlotterbeck, Kimmich, Leon Goretzka, Jamal Musiala, Florian Wirtz und Kai Havertz als Elemente davon auf.
Trotzdem erkennt Löw Schwächen. Die DFB-Mannschaft kämpfe "seit Längerem mit Herausforderungen" an bestimmten Stellen. "In einigen Bereichen besitzen wir hohes Niveau, in anderen jedoch nicht jenes Weltklasse-Niveau, das für den echten Titelkampf unerlässlich ist."