Lebewohl der Fußball Bühne: Adieu Meazza Arena
Lothar Matthäus vergießt eine Träne der Rührung. "Dieses Stadion", erklärt der deutsche Rekordnationalspieler bezüglich des Stadio Giuseppe Meazza, "fühlt sich wie mein eigenes Zuhause an." Wer möchte schon zusehen, wie sein Heim zerstört wird? Genau das geschieht jedoch im Mailänder Viertel San Siro. Die Eröffnungszeremonie der Olympischen Winterspiele am Freitag um 20 Uhr bei ARD und Eurosport markiert einen der abschließenden großen Momente für die fast hundert Jahre alte Anlage. Sobald der Neubau auf dem benachbarten Parkplatz zur EM 2032 eröffnet wird, steht der Abriss bevor.
Nicht nur Matthäus, der mit Inter Mailand in San Siro Meisterschaften holte und Deutschland 1990 bei der WM zum Triumph führte, kämpft mit den Tränen. Olaf Thon beschreibt das Meazza als "das Kolosseum des Fußballs". Nach dem Erfolg der Schalker im UEFA Cup Rückspiel gegen Inter 1997, weinten rund 20000 Anhänger in der blauen Mauer, wie er berichtet.
Für die Italiener war das "Stadio San Siro", so der Name bis 1980, die "La Scala des Fußballs", eine echte Oper der Sportwelt. "San Siro verkörpert Geschichte und Vitalität. Es ist ein Wahrzeichen, immer erfüllt von Leidenschaft", meint Fabio Capello, die Ikone des AC Milan. Zunächst alleiniger Besitzer, teilt der Klub die Arena seit 1947 mit dem erbitterten Gegner Inter.
Bei der Modernisierung für die WM 1990, wo die deutsche Nationalmannschaft fünf Partien in Mailand absolvierte, erhielt das Meazza seine berühmten elf Spiraltürme. An Matchtagen, wenn Fans die Treppen erklimmen, scheinen sie wie riesige rotierende Schrauben.
Das San Siro übertrifft jedoch ein reines Fußballstadion, in dem auch die WM 1934, die EM 1980 und vier Champions League Finals ausgetragen wurden, darunter jenes 2001, das der FC Bayern mit Oliver Kahn als Held gewann. Hier trat Bob Marley vor 120000 Zuschauern auf, der Boxchampion Duilio Loi wurde Weltmeister, und große Messen zogen Tausende Gläubige an.
Jetzt übernehmen die Winterolympioniken die Bühne. Capello rät den Athleten beim Einmarsch: "Blickt empor", zu den Türmen und den imposanten Rängen, die bald zu Trümmern werden.