Kein Erbarmen mehr: Politiker verstärken den Druck nach Ausschreitungen in Dresden
Sachsens Innenminister Armin Schuster erklärte auf Anfrage des Sport-Informations-Dienstes (SID), dass nach diesem neuerlichen Skandalspiel keine Nachsicht mehr in den kommenden Verhandlungen oder Diskussionen möglich sei, seine Geduld sei nun vollständig erschöpft. Die Vorfälle beim Zweitligaspiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC (0:1) symbolisierten die anhaltende Gewalttradition in deutschen Fußballarenen und stellten den bisherigen Verhandlungsprozess mit DFB und DFL grundlegend in Frage. Das wurde den Verantwortlichen der Klubs kurz nach Spielende am späten Samstagabend schon klar.
Zum Match-Center: Dynamo Dresden vs. Hertha BSC
Dynamo-Geschäftsführer Stephan Zimmermann betonte, dass sie und viele andere Vereine sich seit Monaten für die Belange der Fans und ein sicheres Erlebnis im Stadion einsetzen, solche Szenen seien daher ein schwerer Rückschlag. Auch Peter Görlich, der Berliner Kollege, beschrieb die Zusammenstöße im Rudolf-Harbig-Stadion als willkommene Munition für die scharfen Kritiker. Dresdens Sport-Geschäftsführer Sören Gonther wirkte im Sport1-Doppelpass noch immer fassungslos über die Vorgänge, die dem Klub jegliche Position in der Argumentation für Fanrechte nehmen würden, und das zu einem ungünstigen Zeitpunkt.
Seit Wochen wachsen die kritischen Töne aus der Politik, und vor der nächsten Innenministerkonferenz Mitte Juni werden sie nach diesen jüngsten Vorfällen sicherlich nicht abklingen. Schuster und sein Amtskollege Herbert Reul aus Nordrhein-Westfalen hatten bereits in einem kicker-Interview Mitte März angedeutet, dass Vereine künftig für Polizeikosten bei risikoreichen Spielen haften könnten. Für die Klubs könnten dadurch Kosten in Millionenhöhe entstehen. Das Bundesverfassungsgericht (BVG) hatte im Januar vergangenen Jahres klargestellt, dass die Länder solche Gebühren den Vereinen in Rechnung stellen dürfen.
Schuster kündigte an, dass er die Ergebnisse einer detaillierten Untersuchung des Duells zwischen Dresden und Hertha persönlich prüfen wird. Den Ton der kommenden Innenministerkonferenz hängt er davon ab, wie streng die Maßnahmen gegen diese Krawalle ausfallen. DFB, DFL und die Vereine könnten nur durch konkrete Handlungen überzeugen, so der CDU-Politiker.
Fahnen-Diebstahl als mögliche Ursache?
Die Analyse der Ereignisse ist bereits im Gange. Die Polizei in Dresden hat über ein Dutzend Verfahren wegen Störung des Landfriedens, gefährlicher Körperverletzung, Sachschäden, Beleidigungen und Ticketmissbrauchs eingeleitet.
Was genau geschah? Nach wiederholtem Einsatz von Pyrotechnik in den Fanbereichen eskalierte es in der 19. Minute. Gästeanhänger überwanden laut Polizei eine Barriere und drangen in den Innenbereich vor. Daraufhin prallten sie mit HeimanHangern zusammen, von denen rund 60 ebenfalls Barrieren überschritten hatten, Pyros und Raketen flogen hin und her. Polizisten trennten die Gruppen, das Spiel pausierte etwa 20 Minuten. Gonther nannte als Auslöser wahrscheinlich einen Fahnen-Diebstahl.
Die Bilder vom Samstagabend seien inakzeptabel, unterstrich Zimmermann, sie würden dem Verein und dem deutschen Fußball insgesamt erheblich schaden. Das steht nun fest.