Irans Fußballfrauen singen und verlieren
Die iranischen Fußballerinnen sind bei der Asienmeisterschaft in Australien auch in ihrem zweiten Gruppenspiel gescheitert. Nach der 0:3-Niederlage gegen Südkorea verlor das Team unter Trainerin Marziyeh Jafari am Donnerstag gegen die Gastgeberinnen mit 0:4 (0:3). Da jedoch die besten Gruppendritten aus den drei Vierergruppen ins Viertelfinale aufsteigen, bleibt eine Chance auf das Weiterkommen vor dem letzten Vorrundenspiel am Sonntag gegen die Philippinen bestehen.
Für zahlreiche Beobachter dominierte der politische Hintergrund des Spiels das sportliche Geschehen. Diesmal intonierten die iranischen Spielerinnen die Nationalhymne und grüßten dabei. Im Eröffnungsspiel hatten sie noch geschwiegen. Zunächst fehlte eine offizielle Begründung für diese Änderung.
Es existiert jedoch ein Vorbild für dieses Verhalten: Die iranische Männermannschaft hatte bei der Weltmeisterschaft 2022 in Katar vor dem Debüt gegen England (2:6) die Hymne ausgelassen, vor dem zweiten Duell gegen Wales (2:0) jedoch gesungen. Dies geschah inmitten von Protesten in Iran nach dem Tod der 22-jährigen Jina Mahsa Amini in Haft der Polizei.
Die iranischen Fußballerinnen erleben aufgrund der Entwicklungen in ihrer Heimat erheblichen Druck. "Selbstverständlich sorgen wir uns intensiv um unsere Familien, unsere Nächsten und all die Menschen in unserem Land, mit denen wir keinen Kontakt mehr aufnehmen können", erklärte Trainerin Jafari am Mittwoch. Die Stürmerin Sara Didar rang mit den Tränen, als es um den Konflikt ging. "Wir sind natürlich alle besorgt und traurig über die Vorfälle im Iran sowie über unsere Familien und Verwandten", meinte sie.
Die iranischen Fußballerinnen bestreiten nach ihrem ersten Auftritt 2022 in Indien nun zum zweiten Mal eine Asienmeisterschaft. Der abschließende Gegner Philippinen unterlag Südkorea mit 0:3 und startete mit einer 0:1-Pleite gegen Australien, sodass auch sie noch ohne Punkte dastehen.