Iraner bezeichnen WM-Umstände als "Desaster", sportlich ist alles offen
Die iranische Mannschaft hatte nach dem 2:2 (1:1) gegen Neuseeland damit gerechnet, noch eine Nacht in Kalifornien zu bleiben. Für Dienstagmorgen war ein Regenerationstraining geplant. Doch dann wurde das Team Melli aufgefordert, sofort in sein Quartier im mexikanischen Tijuana zurückzukehren. Warum diese Änderung vorgenommen wurde, könne er nicht sagen, erklärte Ghalenoei. Er fügte hinzu: "Wir sind das am stärksten benachteiligte Team bei diesem Turnier."
Zum Match-Center: Iran vs. Neuseeland
Bei ihrem politisch aufgeladenen Auftakt hatten die Iraner allen Hindernissen und einer schwierigen Vorbereitung getrotzt. Taremi und seine Mitspieler sehen ihre Chancen auf das erste Erreichen der K.o.-Runde jedoch durch die besonderen Umstände geschmälert. "Bei einer Weltmeisterschaft muss man sich gut auf das nächste Spiel vorbereiten. Aber diese Unterstützung fehlt uns. Die FIFA könnte uns mehr helfen", sagte der Stürmer von Olympiakos Piräus.
Taremi betonte, dass Infantino der Mannschaft in der Kabine einen Besuch abgestattet habe und versuche, "zu helfen. Aber es gibt auch andere Probleme." Dazu gehöre das Fehlen des gesamten Medienteams und des Verbandschefs, die kein Visum für die USA bekommen hatten. Auch Teile des weiteren Stabs fehlten. "Diese Menschen sind wichtig für uns", so Taremi: "Das ist eine Katastrophe."
Tatsächlich sind die Rahmenbedingungen für die Iraner alles andere als einfach. Monatelang war die WM-Teilnahme aufgrund des Konflikts mit den USA unsicher. Ausgerechnet 24 Stunden nach dem von US-Präsident Donald Trump verkündeten Friedensabkommen zwischen beiden Ländern trat Team Melli in Los Angeles an.
Taremi: "Wir sind einfach erschöpft"
Proteste der zahlreichen im Exil in Kalifornien lebenden Iraner gegen das Regime in Teheran hatten das Spiel bereits im Vorfeld begleitet. Im Stadion waren trotz Verbots viele historische "Schah-Flaggen" zu sehen, und bei der iranischen Hymne waren deutliche Pfiffe zu hören. Ansonsten stand der Fußball im Vordergrund, bis sich die Spieler und Trainer Ghalenoei nach dem Punktgewinn über ihre Situation beklagten.
"Es ist eine schlimme Lage. Wir sind einfach müde", sagte Taremi. Das iranische Staatsfernsehen kritisierte die "schlechteste Vorbereitung der Nationalmannschaft auf eine Weltmeisterschaft in ihrer Geschichte. Man sollte also keine zu hohen Erwartungen haben."
In Gruppe G ist nach dem ersten Spieltag noch alles möglich: Alle vier Teams haben einen Punkt. Die weiteren Gegner des dreimaligen Asienmeisters Iran sind Belgien (in Los Angeles) und Ägypten (Seattle). Taremi hofft, dass sich die Situation für die kommenden Spiele verbessert, denn: "Wir sind hier, um Fußball zu spielen."