Hass und Hetze im Netz trotz Infantino-Beschwichtigung: WM-Stars wehren sich
Genutzt hat das FIFA-Engagement beim XXL-Turnier bislang wenig bis gar nicht. Jüngstes Opfer übler Entgleisungen war Frankreichs Superstar Kylian Mbappé, auch Jonathan Tah war nach dem deutschen WM-Aus wegen seines verschossenen Elfmeters schwer beleidigt worden.
Schon in der Gruppenphase hatte der Social Media Protection Service (SMPS) der FIFA einen "signifikanten Anstieg" bei den schwersten Fällen rassistischer Online-Gewalt verzeichnet. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 89.000 beleidigende Beiträge identifiziert worden. Dies sei eine laut SMPS "besorgniserregende Entwicklung". Zum Vergleich: 2022 in Katar waren es nach der Gruppenphase 6700 gewesen, allerdings hatte es da auch weniger Spiele gegeben (48 statt 72).
Etliche Verbände klagen
Doch der 13-fache Anstieg sorgt längst für Alarmstimmung. Die Spielergewerkschaft Fifpro forderte noch mehr Anstrengungen. Es seien zwar schon wichtige Schritte unternommen worden, hieß es, diese würden "aber noch nicht ausreichen. Es bedarf spürbarer Konsequenzen für die Verantwortlichen und eines gemeinsamen Engagements von Gruppen, darunter Strafverfolgungsbehörden, Social-Media-Plattformen, Medien, Fans und Öffentlichkeit, um diesen Trend umzukehren". Die Fifpro wies besorgt auf ein "systemisches Muster" hin.
Die Empörung ist allerorts riesig. Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte sich nach den Anfeindungen gegen Tah im Anschluss an das 0:1 im Sechzehntelfinale gegen Paraguay klar positioniert: "Der Kritik an unseren Leistungen stellen wir uns. Sie gehört zum Sport. Hass aber gehört nicht dazu. Rassismus und andere Diskriminierungen akzeptieren wir nicht."
Längst beschäftigen sich Gerichte und Staatsanwaltschaften mit etlichen Fällen. Der niederländische Fußballverband (KNVB) zum Beispiel erstattete nach dem WM-Aus wegen rassistischer Botschaften in den Sozialen Netzwerken Anzeige beim Generalstaatsanwalt der Niederlande. Premierminister Rob Jetten erhofft sich davon ein "sehr klares Exempel".
Mbappé sorgt für Entsetzen
Auch der französische Verband (FFF) wehrt sich juristisch, nachdem Mbappé von einer Senatorin aus Paraguay im Netz übelst rassistisch beleidigt worden war. Selbst Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schaltete sich ein.
Das Hochkommissariat der Vereinten Nationen stellte sich auf Mbappés Seite und nannte die Äußerungen "verabscheuungswürdig". Der Fall führte soweit, dass Paraguays Präsident Santiago Pena und das Außenministerium des Landes Macron schrieben, um die Beleidigungen zu verurteilen. Infantino schloss sich an: "Die Gesellschaft und der Fußball stehen solidarisch an der Seite des französischen Kapitäns. Wir müssen Rassismus gemeinsam bekämpfen und besiegen."
Dies dürfte schwierig sein, zumindest laut Nicholas McGeehan, Direktor der Organisation FairSquare. Er hatte zuletzt im SID-Gespräch betont, dass auch US-Präsident Donald Trump und dessen Berater durch das Turnier "ihren aggressiven Nationalismus und Rassismus" demonstrieren wollten. Die FIFA habe ihnen das "ganz eindeutig ermöglicht. Sie haben schon erreicht, was sie erreichen wollten."