Hand drauf! Jürgen Klopp mit dem DFB einig - Bedenken an der Basis wegen RB-Deal

Hand drauf! Jürgen Klopp mit dem DFB einig - Bedenken an der Basis wegen RB-Deal

Jürgen Klopp versuchte es gar nicht mehr mit Geheimniskrämerei. Schon vor dem vermeintlich super-konspirativen Gipfel am New Yorker Flughafen lachte der "Traummann" des DFB für ein Mitarbeiter-Selfie im The Paris Café - und nach dem Durchbruch in vierstündigen Verhandlungen übte er bei ein paar Autogrammen schwungvoll seine baldige Vertragsunterschrift.

Ein zackiges K, ein nach rechts gekipptes Doppel-P: Klopp wird Bundestrainer! Das verkündete am Samstagnachmittag dann auch der Deutsche Fußball-Bund - mit einer allerletzten Einschränkung. Sowohl das eingeflogene Bosse-Duo Bernd Neuendorf und Hans-Joachim Watzke als auch Klopp selbst seien "zuversichtlich, dass die Verhandlungen - vorbehaltlich einer Einigung mit Klopps derzeitigem Arbeitgeber Red Bull - letztlich erfolgreich abgeschlossen werden können", teilte der DFB mit. Über "wesentliche Eckpunkte eines potenziellen Vertrages" sei eine Einigung erzielt. Hand drauf.

Noch weiter kann sich der DFB ohne die zu erwartende Vertragsauflösung zwischen Klopp und Red Bull, die nun mit Konzern-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff verhandelt werden soll, nicht aus dem Fenster lehnen. Aus 90 Prozent werden 95 und 99. Und dann, gegen Ende der Woche, endlich 100! Im September soll Klopp mit einem Vertrag bis zur WM 2030 und neuem Kraftfußball in den Niederlanden in die Nations League starten.

Kritik an RB-Verzahnung

Die letzten fehlenden Prozentchen allerdings sind für den DFB nicht unkompliziert. Um sich eine millionenschwere Abfindung für Red Bull zu ersparen, wird der Verband laut Bild-Zeitung der brisanten Lösung zustimmen, dass Klopp Markenbotschafter des Energydrink-Giganten bleibt. Eines Weltunternehmens, das in Leipzig einen Bundesligisten betreibt und auch sonst im Fußball rücksichtslos in Strukturen eingreift. Der DFB wird das den Fans und der Öffentlichkeit noch geschickt verkaufen müssen.

Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger hat eine derartige Rolle ("Dann stellt RB die Nationalmannschaft auf!") in der FAS bereits als "völliges No-Go" verurteilt. Ein Sprecher des Fan-Verbands Unsere Kurve sieht darin "einen Kniefall vor dem Kapital". Und auch in den DFB-Landesverbänden gibt es einer SID-Recherche zufolge Bedenken.

Mehrere Präsidenten der insgesamt 21 Verbände wären nicht einverstanden. Von "zu enger Verzahnung" mit einem aggressiven Player im Fußball ist die Rede, von Interessenskonflikten und der Frage, ob Klopp letztlich "wirklich unabhängig" wäre.

Uwe Döring sprach ausdrücklich als Präsident des Schleswig-Holsteinischen Fußball-Verbandes (SHFV), nicht als Mitglied von DFB-Gremien. "Als Fußballfan und Mitglied des FC St. Pauli habe ich Klopps Engagement bei Red Bull nie verstanden, Geld kann es ja eigentlich nicht mehr sein", sagte Döring. "Aber vielleicht liege ich da auch falsch, dieser ganze Irrsinn bei Trainergehältern und Abfindungen, die auch bei Nichtleistungen gezahlt werden, stößt mich nur noch ab. Hoffentlich wird die Schraube nicht überdreht, es wenden sich jetzt schon viele ab."

Wucht, Zielstrebigkeit und Leistung

Mehrere andere Landesverbandschefs äußerten sich ähnlich: Nur weil der DFB (durch den Nike-Deal ab 2027) wieder Geld habe, müsse er es ja nicht gleich "rausblasen". Klopp soll etwas mehr verdienen als Julian Nagelsmann, der sieben Millionen Euro pro Jahr kassierte - Summen, die an der Basis "äußerst schwer zu vermitteln seien".

Neuendorf und Watzke, die aus New York umgehend wieder nach Hause flogen, müssen den fertigen Bundestrainer-Vertrag durch eine "gemeinsame Sitzung von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der DFB GmbH und Co. KG" bringen. Im Aufsichtsrat sitzen zahlreiche "Landesfürsten", sie werden den Deal aber nicht verhindern: Zu überzeugt sind sie generell von Klopp, dem, wie ein Funktionär sagte, "perfekten Mann".

Der perfekte Mann hat einiges zu tun. Klopp wird seine langjährigen Vertrauten Peter Krawietz und Pepijn Lijnders als Assistenten mitbringen, diskutiert wird zudem über den 2014er-Weltmeister Per Mertesacker als DFB-Geschäftsführer und Nachfolger von Andreas Rettig.

Ein neues Fußball-Selbstverständnis soll Klopp, 59, der deutschen Nationalmannschaft verleihen. Wucht, Zielstrebigkeit, Leistung nah am Potenzial - das alles hatte in Amerika schmerzlich gefehlt. Einige Spieler aus dem 26er-Kader der dritten desaströsen WM in Folge wird er nicht mehr berufen, andere, jüngere Spieler werden in Führungsrollen aufrücken. Talente kommen nach. Und Jonas Urbig ist der Torhüter der Zukunft.

Strukturell, hat Klopp bereits angekündigt, müsse der DFB "ab der U10" alles infrage stellen. Eine klare Ansage. Klopp wird der mächtigste Bundestrainer jemals. Sofern Mintzlaff den Daumen hebt.