FIFA Herrscher als Vermittler? Öffentlichkeitsfehler behindert Infantinos Auftritt

FIFA Herrscher als Vermittler? Öffentlichkeitsfehler behindert Infantinos Auftritt

Der oft in der Öffentlichkeit angegriffene, doch im Fußballbereich unangefochtene Schweizer soll bis 2031 im Amt bleiben, was als reine Formalität gilt. Ein Rivale für die erneute Bestätigung nächstes Jahr in Rabat, Marokko, zeichnet sich nicht ab, während die Rückhalt in Regionen wie Afrika, Asien oder Südamerika bereits enorm ist. Nur die Europäer, einschließlich des Deutschen Fußball Bunds (DFB), zögern noch.

Infantino leistete eine Art Wahlrede, in der er zunächst nicht über seine zehnjährige FIFA Führung sprechen wollte, es dann aber ausführlich tat. Die Kernbotschaft drehte sich um Finanzen, Finanzen und weitere Finanzen, was die Verbände erfreuen dürfte, besonders durch die kürzlichen Erhöhungen der WM Prämien. Die misslungene Aktion mit israelischen und palästinensischen Vertretern, die The Athletic als PR Desaster bezeichnete, schien zunächst unwichtig. Oder etwa nicht?

Iran wird an der WM teilnehmen

Infantino versuchte vergeblich, einen Händedruck oder ein gemeinsames Foto der Vertreter der verfeindeten Verbände auf der Bühne zu arrangieren. Doch der palästinensische Verbandsleiter Jibril Rajoub lehnte nach seiner leidenschaftlichen Ansprache mit Gesten ab, was Infantino ratlos zurückließ. Er zwang sich zu einem Lächeln. Die Gruppe Fair Square kritisierte den scheinbar überforderten FIFA Leiter, er wolle den Konflikt als Hintergrund missbrauchen, um sich als Diplomat und Friedensmacher darzustellen.

Für den FIFA Chef stand in Vancouver im Vordergrund, kontroverse Punkte zu klären, die sein milliardenschweres WM Prestigeprojekt diesen Sommer bedrohen könnten. Er garantierte daher, dass der Iran trotz fehlender Teilnahme am Kongress in den USA definitiv mitspielen werde. Wenn Gianni das verspricht, finde er das in Ordnung, kommentierte Infantinos Verbündeter und US Präsident Donald Trump später.

Beschwerden über die hohen WM Ticketpreise wischte Infantino beiseite. Forderungen, dass er alle WM Besucher schützen solle, blieben unbeachtet. Human Rights Watch mahnt vor einer WM geprägt von Ausgrenzung und Furcht. Infantino konterte mit dem Versprechen von 104 Super Bowls und fügte hinzu, wenn das kein Anlass zur Freude sei, wisse er nicht, was man noch tun könne.

Infantino pries seine Erfolge. Die FIFA, die 2015 unter seinem Vorgänger Joseph Blatter in Korruptionsskandalen versunken war, gelte nun als absolut seriöse und zuverlässige Institution. Trotz Vorwürfen von Kritikern, dass unter ihm wichtige Reformen aufgegeben wurden, betonte der 56 Jährige, der Weltverband sei in der besten Form aller Zeiten.

DFB bleibt zurückhaltend

Gegenwehr gegen Infantino ist selten. Lise Klaveness, die norwegische Verbandspräsidentin, mutige Kritikerin und einzige Befürworterin einer Klage gegen ihn bei der FIFA Ethikkommission, steht isoliert da. Es gebe eine Kultur der Furcht, erklärte sie der Zeitung VG. Der Grund liege in politischem Einfluss und Netzwerken. Wer nicht folgt, riskiert Nachteile, etwa bei der Vergabe von Turnieren.

Der DFB, der eine Kandidatur für eine zukünftige WM Endrunde plant, äußerte sich zunächst vage zur Unterstützung Infantinos. Der Schritt sei nicht unerwartet, meinte DFB Leiter Bernd Neuendorf. Die Einschätzung sei jedoch nicht allein seine Sache: Man werde sich im DFB und mit der DFL mit der Kandidatur auseinandersetzen und nach Ablauf der Bewerbungsfrist entscheiden.

Infantino kann nur erneut antreten, weil der Council um Neuendorf seine erste Amtszeit von 2016 bis 2019 vor vier Jahren nicht als vollwertig ansah. Eine Neuwahl am 18. März 2027 wäre dank der Amtsbeschränkung seine letzte. Zumindest nach den derzeitigen Vorschriften.