"Einer der Größten": Goldener Abschied für Didier Deschamps?
Es macht Spaß, Didier Deschamps dieser Tage bei der Arbeit zuzusehen. Wie der Grandseigneur des französischen Fußballs nach Siegen hüpfend über das Spielfeld tänzelt. Oder wie er seine Stars dann väterlich in die Arme schließt und der Reihe nach knuddelt.
Im Optimalfall wird man dieses kleine, aber feine WM-Schauspiel noch zweimal beobachten dürfen. Dann ist Schluss. Deschamps hört auf. Nach 14 Jahren übergibt er sein Amt nach dem Turnier an Zinedine Zidane. Vielleicht wirkt der 57-Jährige im Umgang mit seinen Stars auch deshalb so gelöst. Vor dem Halbfinale gegen Spanien am Dienstag (21.00 Uhr MESZ) in Dallas vermittelt Deschamps den Eindruck, den Moment ganz bewusst zu genießen.
Match-Center: Frankreich vs. Spanien
Zum dritten Mal nacheinander hat Deschamps sein Team ins WM-Halbfinale geführt. Mit seinem 26. WM-Spiel an der Seitenlinie wird er am Dienstag den legendären Helmut Schön als Rekordtrainer ablösen. Und der Spielplan will es so, dass diese auch deshalb besondere Partie auf den 14. Juli fällt, den Nationalfeiertag der Grande Nation. "Ein großartiger Tag für Frankreich", sagt Deschamps. Er und seine Mannschaft wollen ihren Teil dazu beitragen. Der Spiegel titelte kürzlich treffend: "Frankreich rollt Richtung Deschamps Élysées".
Frankreich soll Deschamps am Sonntag krönen
Wenn über Frankreichs Siegeszug bei der WM gesprochen wird, fallen zwangsläufig die Namen der Superstürmer Kylian Mbappé, Ousmane Dembélé und Michael Olise. Natürlich. Doch der Anteil von Deschamps ist nicht zu unterschätzen. Der Kapitän der Weltmeister-Elf von 1998 wird als akribischer Arbeiter und pragmatischer Menschenführer geschätzt. Er hat ein gutes Gespür dafür, seine Stars bei Laune zu halten. Er moderiert klug, hält Kritik von der Mannschaft fern und lebt intern Loyalität vor. "Ich kann es nicht allen recht machen, aber ich sorge dafür, dass sich alle eingebunden fühlen", sagte Deschamps nach dem Viertelfinal-Erfolg gegen Marokko (2:0).
Trotz des Titelgewinns von 2018 und des zweiten Platzes von 2022 wirken Les Bleus, und ganz besonders Deschamps, so erfolgshungrig wie eh und je. Der Ex-Profi, der nach dem Tod seiner Mutter während der Vorrunde schwierige Tage durchlebte, spricht von einer "Mission". Er strebt nach dem Maximum - und die Spieler folgen ihm.
"Er ist einer der größten Trainer der französischen Geschichte. Was er für die Nationalmannschaft geleistet hat, ist außergewöhnlich", sagte Mbappé kürzlich dem Guardian. Selbst Emmanuel Macron gab zu, dass er den Erfolgscoach vermissen werde: Deschamps, betonte der Staatspräsident jüngst, sei für Frankreich "der Nationaltrainer der glücklichen Tage". Diese Tage sollen am kommenden Sonntag mit dem maximalen Erfolg enden.