Drohszenario Polizeikosten: Politik kritisiert Verbände
Die Innenminister der Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Sachsen, Herbert Reul und Armin Schuster (beide von der CDU), haben nicht ausgeschlossen, dass Fußballvereine in Zukunft die Polizeikosten für Hochrisiko-Partien übernehmen müssen. Schuster erklärte in einem Gespräch mit dem kicker: "Ich finde diesen Ansatz aus verschiedenen Gründen unpassend", betonte er jedoch, "der Druck auf mich wächst aufgrund des Verhaltens bestimmter Anhänger und der Untätigkeit im Fußballbereich immer weiter."
In der Politik mehren sich die Stimmen, die vorschlagen, "das Problem dadurch zu regeln, dass endlich Abrechnungen an die Vereine gehen", fügte Schuster hinzu. Der Politiker äußerte Frustration über das Auftreten von Klub und Organisationen in der Diskussion zur Stadionsicherheit: Nach der Konferenz der Innenminister im Dezember hatte er den Eindruck, "dass wir dem Fußball nicht hilfreicher unter die Arme greifen konnten." Aktuell hingegen "fühlt es sich an, als ob jedes Wochenende in meine offene Hand geschlagen wird."
Reul, sein Parteikollege, teilte diese Sicht und richtete seine Worte an die Deutsche Fußball Liga (DFL) sowie den Deutschen Fußball-Bund (DFB): "Wir haben uns bemüht, landesweite Regelungen zu etablieren. Die Verantwortlichen haben mit DFL und DFB diskutiert, und von den vielen Ideen aus der Sitzung ist nur der Punkt zu den Stadionausschlüssen geblieben. Der ist zudem abgeschwächt. Das macht mich richtig wütend. Sollten die Verbände das nicht umsetzen können, sondern nur verzögern, schadet das ihrer Glaubwürdigkeit."
Zur Frage der Stadionverbote sieht Reul die Situation so, "dass wir quasi wieder bei Ausgangspunkt angelangt sind", kritisierte er. Im Dezember hatten die Minister unter anderem eine eigenständige Kommission für solche Maßnahmen beschlossen. Die Verbände halten nun aber nicht mehr am vereinbarten Kompromiss fest, "das gibt neuen Schwung denen, die wollen, dass wir die Rechnungen an die Vereine schicken", warnte Reul.
Aus Sicht der kommenden Innenministerkonferenz im Juni Mitte erwarte Reul, dass bis dahin klar ist, "ob und wie eine neue Regelung für Stadionverbote kommt. Wenn die Verbände diesen bereits milden Entschluss weiter verwässern, gehe ich da nicht mit."