Der Torgigant trommelt: "Maschine" Haaland schickt Norwegen "in den Himmel"
Haaland strahlte. Und doch konnte er all das, was da gerade vor den Toren New Yorks passierte, kaum fassen. "Normalerweise fehlen mir die Worte nicht, aber diesmal schon", gab der Angreifer nach seinem Doppelpack beim 2:1 (0:0) gegen Brasilien zu. Er habe niemals davon zu träumen gewagt, die Selecao bei einer WM rauszuwerfen: "Ich dachte lange, so etwas sei unmöglich. Aber offenbar habe ich mich geirrt."
Zum Match-Center: Brasilien vs. Norwegen
Immer und immer wieder schüttelte der Starangreifer mit der unheimlichen Torquote den Kopf. Er betonte, wie "unwirklich" ihm das alles vorkomme. Und man konnte Haaland, der in seiner Laufbahn auf Klubebene schon alles gewonnen hat, durchaus glauben, dass er in diesen Wochen die schönste Zeit seiner Karriere erlebt. "Manchmal", versicherte Haaland, "muss ich mich kneifen, wie groß das alles wirklich ist." Ob es das beste Gefühl seines Lebens sei, wurde er gefragt. "Ja", sagte Haaland.
Haaland sieht "Bild" von Norwegen verändert
Auf der Tribüne tanzte sein Vater Alfi mit einem Glas Sekt in der Hand, in den Katakomben schwärmte Nationaltrainer Stale Solbakken vom "weltbesten Torjäger", und in der Heimat herrschte Ausnahmezustand. Über die "größte norwegische Sportleistung aller Zeiten" jubelte das Dagbladet. Laut NRK hatte der unersättliche Haaland Norwegen "in den Himmel geschickt". Und Aftenposten schrieb ungläubig kurz und knapp: "HALLELUJA."
Seit 1998 hatten die Skandinavier auf die nächste Endrunden-Teilnahme gehofft. "Es hat 28 Jahre gedauert", sagte Haaland und fügte schmunzelnd an: "Ich bin erst 25 Jahre alt – dafür kann man mich nicht verantwortlich machen." Für den wundersamen WM-Lauf dieser Wochen aber sehr wohl. Das Team verändere "gerade das Bild unseres Landes. Mit der Zeit sind wir mutiger geworden und spielen einen besseren Fußball", sagte Haaland.
Auch Torhüter Örjan Nyland überzeugte gegen Brasilien. Doch ohne Haalands Tore, das wissen sie in Norwegen, wäre der Einzug unter die besten acht Teams der Welt kaum möglich gewesen. In jedem seiner jüngsten 14 Pflichtspiele für das Nationalteam traf der Angreifer von Manchester City, 27 Tore erzielte er dabei insgesamt. Für Norwegen bei einer WM sieben Tore zu erzielen, "ist noch einmal etwas ganz anderes", sagte Haaland.
Und wer die kindliche Freude in diesen Momenten in seinen Augen sah, der durfte annehmen, dass das Viertelfinale noch nicht das Ende der norwegischen Reise gewesen sein muss. Der Erfolg gegen Brasilien, sagte Haaland vor dem Duell mit England am Samstag (23.00 Uhr MESZ) in Miami, habe seinen "Glauben an uns nochmal gestärkt. Dass wir das geschafft haben, ist unglaublich."