Der neue Jabulani? Warum der WM-Ball 2026 den Torhütern Albträume bereitet

Der neue Jabulani? Warum der WM-Ball 2026 den Torhütern Albträume bereitet

Während Uruguays Stürmerstar Diego Forlán die physikalischen Eigenheiten des Balls meisterhaft auszunutzen wusste, schäumten die Torhüter vor Wut. Spaniens Torwart-Legende Iker Casillas nannte den Ball schlicht "schrecklich", Gianluigi Buffon hielt ihn für ein WM-Turnier gar für "ungeeignet und beschämend".

Und heute? Bereits in der Gruppenphase der WM 2026 schlug es auffallend oft aus der Distanz ein. Das Kuriose dabei: Viele dieser Gegentore fielen weder unhaltbar im Winkel noch auf extrem unangenehmer Höhe. Mehrfach waren die Keeper noch mit den Fingern am Ball, konnten den Einschlag aber nicht verhindern.

So erging es Englands Jordan Pickford beim Gegentreffer durch den Kroaten Martin Baturina. Auch Algeriens Luca Zidane gegen Lionel Messi oder der irakische Schlussmann Ahmed Basil gegen Kylian Mbappé machten unglückliche Figuren. Mbappés Schuss war zwar stramm, aber keineswegs platziert – Basil war noch dran, konnte den Ball jedoch nur ins eigene Netz lenken.

Was oberflächlich wie Torwartfehler aussieht, hat Methode, glauben Experten. Der ehemalige englische Nationaltorhüter Joe Hart – der schon 2010 unter dem Jabulani litt – äußerte in den sozialen Medien deutliche Skepsis: "Ich sehe diese Art von Gegentoren bei dieser WM einfach zu oft, als dass mit dem Ball alles in Ordnung sein könnte. Sobald die Stürmer ohne Effet schießen und der Ball in der Luft nicht rotiert, bekommen die Torhüter Probleme – besonders auf Schulterhöhe. Sie sind zwar noch dran, können ihn aber nicht entscheidend abwehren. Da stimmt etwas nicht."

Weniger Panels, mehr Flatterball?

Warum verhält sich der Trionda so tückisch? Die Antwort liegt in seiner Konstruktion: Der Ball besteht aus nur vier Panels – so wenigen wie noch nie bei einer Weltmeisterschaft. Um zu verhindern, dass der Ball dadurch zu glatt wird und unberechenbar flattert, hat Adidas die Nähte vertieft und jedes Panel mit drei ausgeprägten Rillen versehen, die den Luftstrom stabilisieren sollen.

Entwickelt wurde der Trionda für die extrem heißen und feuchten Sommerbedingungen in Nordamerika. Ein spezieller Oberflächen-Grip soll den Spielern die Ballkontrolle bei schwülem Wetter erleichtern. Das größte Problem ist jedoch die Topografie der Austragungsorte. Spiele in extremen Höhenlagen wie in Mexiko-Stadt bedeuten dünnere Luft, weniger Widerstand und eine deutlich geradlinigere, rasantere Flugbahn als in tiefer gelegenen Küstenstadien wie in New Jersey.

Ein Detail könnte über den Titel entscheiden

Für die Profis kommt erschwerend hinzu, dass sie sich nach einer langen Vereinssaison innerhalb weniger Wochen an ein völlig neues Spielgerät gewöhnen müssen. Was nach einer Winzigkeit klingt, entscheidet auf diesem Niveau über Millisekunden und Zentimeter.

Noch steht das Turnier am Anfang, und sicherlich spielen bei dem einen oder anderen Keeper auch die Nerven eine Rolle. In den kommenden K.-o.-Runden dürften wir jedenfalls noch einige spektakuläre Distanzschüsse sehen. Es bleibt abzuwarten, ob die Torhüter das Rätsel um den Trionda rechtzeitig entschlüsseln können.