Der Glanz schwindet: Macken an Krösches Ruf – „kaum lösbares Dilemma“
Das entscheidende Triumph der Damen im Stadion am Brentanobad live zu erleben, mag Markus Krösche vorübergehend von seinen Sorgen um die Herren abgelenkt haben. Kurz davor stand der Sportvorstand von Eintracht Frankfurt noch vor der Wahl, ob er grünes Licht gibt oder stoppt. In der Einladung zur Pressekonferenz vor dem vorletzten Match einer reichlich missglückten Saison tauchte der Name Albert Riera auf, was allgemein als ultimative Gelegenheit gesehen wurde, die Krösche seinem angeschlagenen Trainer bietet.
Vor dem Spiel am Freitag (20.30 Uhr/Sky) gegen Borussia Dortmund dreht sich in der Mainstadt nicht länger nur um den extravaganten Trainer von der Baleareninsel Mallorca. Die Stimmung im Umfeld des hessischen Bundesliga Clubs hat den Tiefpunkt seit Langem erreicht, und das wird auch dem kürzlich noch als Spitzenmanager der Liga gefeierten Krösche zugeschrieben. Der 4:1 Erfolg der Frauen gegen den 1. FC Nürnberg hat Krösche am Montagabend daher nur flüchtig beruhigt.
Match-Center: Borussia Dortmund vs. Eintracht Frankfurt
Falls die Eintracht – wie die meisten Fachleute angesichts der jüngsten Vorstellungen erwarten – nicht mal in die Conference League kommt und somit erstmals seit fünf Jahren auf europäischer Ebene aussetzt, könnte es für Krösche unangenehm werden. Nach fünf Jahren beim Verein und mit Vertrag bis 2028 ist der 45-Jährige nicht mehr unantastbar. Noch vor wenigen Monaten flehten die lokalen Medien fast darum, dass Krösche nicht zu Dortmund oder Bayern geht, doch nun hat sich die Lage geändert.
"Krösches wackliges Fundament" hieß am Montag die Schlagzeile über dem FAZ Kommentar. Darin ging es um die Vorwürfe gegen Krösche in letzter Zeit: Die Anstellung Rieras als Ersatz für Dino Toppmöller am 1. Februar war ein katastrophaler Fehler, und der kostspieligste Kader in der Clubhistorie rechtfertigt seinen Preis in keiner Weise.
"Kaum lösbares Dilemma"
Allerdings werden auch Krösches Erfolge erwähnt. Unter seiner Führung hat Eintracht Frankfurt in den letzten fünf Jahren mehr Transfererlöse erzielt als jeder andere Bundesliga Verein – und die Europa League haben die Hessen in dieser Periode obendrein gewonnen. Auch seine überzeugenden TV Auftritte kürzlich im ZDF-Sportstudio oder im Sport1-Doppelpass haben in der Öffentlichkeit den Eindruck vermittelt, dass hier jemand genau weiß, was er treibt.
Doch der Glanz verblasst rapide. Krösche befinde sich "in diesen Tagen in einem kaum lösbaren Dilemma", notierte die Frankfurter Rundschau am Dienstag und bezog sich damit auf die ausweglose Situation, in der Krösche sich befindet – zwischen der Anerkennung seines Irrtums bei Riera und der Rechtfertigung, die eine Entlassung des Trainers den mitverantwortlichen Spielern bieten würde.
Krösche hat sich in eine Lage manövriert, in der er quasi jede Entscheidung falsch treffen kann. Denn ein Beibehalten von Riera könnte als Untätigkeit und Kapitulation am Ende einer fehlgeschlagenen Saison interpretiert werden. Der externe Druck auf Krösche ist dementsprechend groß. In einer hr Umfrage (Stand Dienstagvormittag) stimmten 91 Prozent der Teilnehmer für eine Trennung von Riera – sei es sofort oder am Saisonende.
Falls Krösche sich für einen weiteren Neuanfang auf der Trainerposition entscheidet, muss er diesmal präzise treffen. Andernfalls könnten bald Umfragen zu seiner eigenen Zukunft folgen.