Coming out eines Trainers beim FC St. Pauli: Schwule werden als Außerirdische abgetan
Zu seinem Coming out hat ihn auch ein Gespräch mit Jürgen Klopp inspiriert, erklärt Dobrick: "Als Trainer kannst du so sein, wie du bist, doch du solltest für etwas eintreten. Sei einfach authentisch", soll der ehemalige Bundesliga und Liverpool Trainer bei einem Meeting mit jungen Trainern aus Salzburg bemerkt haben.
Dobrick, der ab Sommer 2025 im Jugendbereich von St. Pauli tätig ist und davor bei RB Salzburg, TSG Hoffenheim sowie Holstein Kiel gearbeitet hat, redet über Homophobie, die über "Jahrzehnte ins Fußballjargon eingedrungen" ist: "Wenn ein Spieler sich über zu viel Härte beschwert, nennt man ihn rasch Schwuchtel. Solche Beleidigungen sind schwer loszuwerden und verstärken das verzerrte Bild von Homosexuellen."
Sprung ins kalte Wasser
Dobrick unterstreicht, dass es ihn enorme Energie gekostet hat, seine Homosexualität am Arbeitsplatz zu verbergen. Häufig musste er "Sprachakrobatik" betreiben und einen "rhetorischen Balanceakt" vollführen, um sein Leben als schwuler Mann zu tarnen. Jetzt hat er sich öffentlich geoutet.
"Sprung ins kalte Wasser und loslegen!", empfiehlt er Spielern und Trainern, die ihre Sexualität bisher geheim halten. Der Präsident von St. Pauli, Oke Göttlich, hat Dobrick "persönlich Unterstützung zugesagt", teilte der Verein am Dienstag mit.
"Im Profibereich gibt es wohl deutlich weniger Schwule als im Bevölkerungsdurchschnitt", meint Dobrick: "Der Druck in der Szene ist enorm, ein heteronormatives Leben vorzutäuschen. Dadurch erreichen weniger schwule Fußballer die Spitze, weil sie Kraft für nicht sportliche Probleme vergeuden."