Blatter zur Rückkehr Russlands: Politik und Sport separieren

Blatter zur Rückkehr Russlands: Politik und Sport separieren

Der ehemalige FIFA-Präsident Joseph S. Blatter scheint die Rückkehr Russlands auf die internationale Fußballszene zu unterstützen. "Ich bin kein Richter. Meine Ansicht zu Russland: Politik vom Sport, vom Fußball, sollte man getrennt halten. Wir können ja nicht jedes Land ausschließen, das in einen Krieg mit einem anderen verwickelt ist, sonst wäre nicht nur Russland betroffen", erklärte Blatter gegenüber der Sport Bild.

Blatters Nachfolger Gianni Infantino hatte kürzlich seine Offenheit für das Aufheben des Verbots gegen Russland signalisiert, "zumindest im Jugendbereich", wie er hervorhob. "Es gibt schon einige Verbände, die russischen Sportlern die Teilnahme gestatten. Beispielsweise im Tennis oder bald bei den Paralympischen Winterspielen in Italien", ergänzte Blatter. Sechs russische und vier belarussische Athleten und Athletinnen erhalten eine Wildcard für die Winterspiele in Mailand und Cortina d'Ampezzo (6. bis 15. März).

Im Fußball bleibt Russland seit Kriegsbeginn gegen die Ukraine im Jahr 2022 von allen Wettbewerben ausgeschlossen. Das letzte Ereignis mit russischer Beteiligung war die EM 2021, und das letzte unter FIFA-Verantwortung die WM 2018 zu Hause. Hinsichtlich der kommenden Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada (11. Juni bis 19. Juli) kritisierte Blatter erneut heftig Infantino und dessen Nähe zum US-Präsidenten Donald Trump.

"Dieses Turnier muss man wegen der politischen Unsicherheit und der Sicherheitsprobleme in den USA genau prüfen. Die Ereignisse in Minneapolis sind schlimmer als alles, was in Katar bei der WM 2022 passierte. Ich hoffe, dass der König Fußball die Politik überwindet und Ruhe einkehrt, sobald der Ball in den USA rollt", äußerte Blatter. Nach zwei tödlichen Einsätzen der US-Einwanderungsbehörde ICE im Januar in Minneapolis hatte eine Debatte über die Sicherheitslage in den USA aufgeflammt.

Trotzdem positionierte sich Blatter klar gegen einen Boykott, der in letzter Zeit aufgrund von Trumps harter Haltung zu Grönland und den ICE-Aktionen öffentlich thematisiert wurde: "Ich lehne einen Boykott ab. Die entscheidenden Figuren im Fußball sind die Spieler, und diese wollen auf jeden Fall bei der WM mitmachen. Würden Verbände entscheiden, nicht teilzunehmen, käme es zu großem Widerstand, auch unter den über zwei Milliarden Fußballfans weltweit."