Antonio Rüdiger als kontroverse Persönlichkeit: Unentbehrlich oder zu belastend für das deutsche Nationalteam?

Antonio Rüdiger als kontroverse Persönlichkeit: Unentbehrlich oder zu belastend für das deutsche Nationalteam?

Antonio Rüdiger, mit finsterem Ausdruck nach vorn geneigt, als Bronzestatue festgehalten so hat Álvaro Arbeloa bereits in Worten den Unterbau geschaffen. "Falls ihr mich befragt", meinte der Betreuer von Real Madrid, "hätte ich Lust, eine Statue von Rüdiger zu errichten und sie in meinem Garten zu platzieren."

Dazu passend haben in den letzten Tagen Julian Nagelsmann und Joshua Kimmich mit ausführlichen Lobreden auf Antonio Rüdiger begonnen. Trotzdem bleibt es ungewiss, ob der routinierte "Kämpfer" am 14. Juni bei dem Spiel gegen Curaçao im deutschen WM-Kader antreten wird. Die vorläufige Entscheidung darüber trifft dieser Freitag.

Der 33-Jährige hat somit klug die Chance ergriffen, erneut zu beteuern, dass seine fast besessene Motivation weder übertrieben ist noch ein Risiko darstellt. "Ich bin mir bewusst, dass ich Momente hatte, die zu weit gingen", erklärte er der FAZ und fügte hinzu: "Ich möchte kein Störfaktor sein, sondern Stabilität und Zuverlässigkeit bieten."

Match-Center: Schweiz vs. Deutschland

Erhält Tah den Vorrang?

Nagelsmann hat das gewiss mit Wohlwollen gelesen. Denn am Freitag, beim Länderspiel gegen die Schweiz (20:45 Uhr/RTL und Flashscore-Audiobericht), muss er seine Wahl treffen. Er hat Nico Schlotterbeck als feste Größe deklariert so neben ihm wird entweder Rüdiger oder Jonathan Tah vom FC Bayern spielen. Abgesehen von möglichen Blessuren wird jener, der in Basel beginnt, auch bei der WM dabei sein.

Rüdiger so weiß Nagelsmann ist sportlich stets eine starke Option. Das trifft auf Tah ebenso zu, der nicht diese bedrohliche Präsenz hat, aber einfacher zu lenken ist. Rüdiger teilt die Meinungen geradezu. Bei ihm wird immer "mehr hineininterpretiert als bei anderen". Unentbehrlich? Oder zu belastend?

Die Chance, dass der Nationaltrainer ihn verteidigen muss, ist bei Rüdiger deutlich größer. Nach einem Foul mit dem Knie im Gesicht in der spanischen Liga hat der Bundestrainer die harte Aktion umschrieben als "fußballspezifisch".

"Er wollte mein Gesicht zerstören"

Rüdigers Gegner sprach hingegen fast von einem Überfall. "Er wollte mein Gesicht zerstören", äußerte Diego Rico vom FC Getafe schockiert.

Sei es nun ein Foul am Hals, eine drohende Geste, das Werfen einer Tape-Rolle auf den Schiedsrichter oder andere Vorfälle. Bei Rüdiger werden sie vor allem in der Boulevardpresse besonders aufbauschiert. Der Aufruf "Schmeißt ihn raus!" kommt da rasch.

Nagelsmann bleibt gelassen. "Was ich betonen kann, ist, dass Antonio sich voll und ganz für die Nationalmannschaft einsetzt", sagte er. "Dass er einer ist, der die Nationalmannschaft wie eine Familie schützt und alles gibt, um Erfolge zu erzielen."